| Medikamentensucht |
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Der „normale“ Griff zur Pille Ja, Medikamente können abhängig machen, wenn man sich an ihre Einnahme gewöhnt oder sie dauerhaft zu hoch dosiert konsumiert. Nehmen Betroffene sie nicht, kommt es – wie bei der Alkoholkrankheit – zu Entzugserscheinungen wie Schweißausbrüche, Herzflattern, Nervosität, Schlafstörungen oder innere Unruhe. Erst wenn die Pille wieder genommen wird, setzen die gewünschten Effekte ein. Ein fataler Kreislauf. Die am häufigsten missbräuchlich verwendeten Medikamente sind Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel. Besonders die Beruhigungsmittel, die sogenannten Benzodiazepine, werden häufig eingenommen. Allgemein bekannte benzodiazipinhaltige Arzneien sind beispielsweise Valium, Faustan oder Diazepam. Nimmt man diese regelmäßig (1 bis 2 Tabletten täglich), kann dies schon nach zwei, spätestens aber nach sechs Wochen zur einer sogenannten „Niedrigdosis-Abhängigkeit“ führen, die später in eine „Hochdosis-Abhängigkeit“ übergehen kann.
Dabei vollzieht sich der ganze Prozess schleichend. Betroffene merken oft gar nicht, dass es bei ihrem Arzneikonsum schon gar nicht mehr um die momentane Linderung eines Symptoms geht, sondern bereits eine Abhängigkeit erreicht ist. Wobei – wie beim Alkohol – so gut wie nie zugegeben wird, dass man abhängig oder süchtig ist, sondern, wenn überhaupt, lediglich einräumt, dass man sich schon an die Tablette gewöhnt hat. Was kann man nun dagegen tun? An dieser Stelle möchte unsere Psychotherapeutische Praxis darauf verweisen, dass sich Entzug und Therapie von medikamentenabhängigen Menschen langwieriger gestaltet als der von Alkoholikern. Während letztere bereits in der Regel nach gut vier Tagen vom Alkohol „entgiftet“ sind und es ihnen besser geht, dauert bei Medikamentenabhängigen dieser Prozess wesentlich länger, unter anderem weil Arzneistoffe eine wesentlich höhere Halbwertzeit beim körperlichen Abbau haben als Alkohol. Manche dieser Stoffe bleiben bis zu mehreren Monaten dem Körper „erhalten“. Viele werden erst einmal selbst versuchen, vom Medikament herunter zu kommen. Das ist – wie bei anderen Abhängigkeiten auch – rein menschlich gesehen normal. Dabei muss man aber betonen, dass Medikamente, die häufig oder hoch dosiert genommen werden, nicht abrupt abgesetzt werden dürfen, sondern schrittweise über einen längeren Zeitraum in immer geringeren Dosen. Das mag ein normaler Versuch sein, erfolgversprechend ist er in der Regel nicht und übrigens auch gefährlich. Richtig wäre es, zunächst den Hausarzt oder eine (Sucht)Beratungsstelle aufzusuchen, um das Problem anzusprechen. Machen Sie es sich bewusst: Auch bei Medikamenten braucht man professionelle Hilfe! In der Regel werden sie den Rat bzw. beim Arzt eine Überweisung erhalten, die zu einer auf Sucht, speziell auf Medikamente spezialisierten psychotherapeutischen Praxis, wie wir es sind, aufzusuchen. Hier werden mit den Betroffenen alle weiteren Schritte beraten und sie behandelt, auch indem er die Motivation zur Beseitigung des Problems gestärkt wird. Wir wiederholen noch mal: Die meisten der oben genannten Medikamente sind nicht lebensnotwendig. Es wird also nach Wegen gesucht werden, auf andere Art den Kopfschmerzen, Spannungszuständen, der Nervosität, den Angstzuständen oder den Schlafstörungen beizukommen. Und es gibt diese Wege! |






