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Depression – wenn sich das Band um das Herz windet
Von Hans-Joachim Helling Psychologischer Psychotherapeut
So gut wie jeder Mensch kennt diese Gefühle: Traurigkeit, Antriebslosigkeit, schlechte Stimmung, Appetitlosigkeit. All das gehört zum normalen, „gesunden“ Verhalten, obwohl man keine Norm dafür aufstellen kann. All das ändert sich, wenn diese Zustände länger oder lang anhaltend sind. Länger als in der Gesellschaft üblich. Kommen dann noch innere Leere dazu, Schuldgefühle, Interessenlosigkeit, dauerhafte Müdigkeit, Magendruck, Schmerzzustände, sexuelle Unlust oder gar Halluzinationen oder Selbstmordgedanken, spricht man von einer schweren Depression.
Der Körper drückt damit aus, was die Seele nicht mehr ausdrücken kann. International spricht man von drei Formen von Depressionen:
• Die manische als Wechselwirkung zwischen Depressionen und Überaktivität • Die endogene, die sozusagen von innen kommt. • Und die reaktive, die von außen beeinflusst wird.
Für den Betroffenen ist es relativ egal, um welche Art es sich handelt, für die Psychotherapeuten natürlich nicht.
Die Ursachen für eine Depression können völlig verschieden sein. Die Meinungen in der Fachwelt gehen dabei nicht selten auseinander. Die einen sprechen von Krankheiten, die die Depression auslösen könnten. In meiner Praxis sind mir jedenfalls mehrere solcher Fälle bekannt. Oft aber sind es auch bestimmte Lebensereignisse, wie der Verlust von Partnern oder der Tod von Angehörigen, Belastungen im Beruf oder in der Familie, Einsamkeit, wenn einem die „Decke auf den Kopf fällt“, Probleme im Beruf, Arbeitslosigkeit, Hartz IV usw.. Oft sind aber auch solche Faktoren wie das berüchtigte „Kopf in den Sand stecken“ oder die Verleugnung nach dem Motto „es ist alles nicht so schlimm“ oder überhöhtes Pflichtbewusstsein und Leistungsanspruch an sich selbst, permanent negatives Denken, aber manchmal auch frühkindliche Erfahrungen, wie die Trennung oder der Verlust der Eltern oder Missbrauch Gründe für Depressionen.
In jedem Falle sollte eine sorgfältige Diagnose möglicher psychophysischer Ursachen erfolgen, wobei vorzugsweise ein Mediziner ausschließen kann, dass es sich um eine reine körperliche Erkrankung handelt. Aus meiner Praxis kenne ich einen Fall, wo ein depressiv Kranker tagelang mit einer Decke über dem Kopf im Wohnzimmer gesessen hat und gar nicht in der Lage war, zum Arzt zu gehen. Erst Tage später wurden Verwandte darauf aufmerksam, die ihn dann zum Arzt / Psychotherapeuten brachten. An der Stelle sei bemerkt, dass solche beliebten Sätze von Angehörigen oder Freunden wie „nun reiß dich aber mal zusammen“, im Falle einer Depression völlig sinnlos sind und ihren Zweck absolut verfehlen.
Eine sorgfältige psychische Untersuchung bei einem Psychotherapeuten muss erfolgen. Sie wird feststellen, ob bestimmte psychiatrische Krankheitsbilder vorliegen. Meistens ist dann die Zusammenarbeit zwischen Mediziner und Psychotherapeuten notwendig, die dann die Ursachen noch genauer bestimmen und den weiteren Behandlungsweg festlegen. Der Psychotherapeut muss die Gedanken und die Gefühle des Patienten kennen lernen. Eine Spezialität unserer Praxis.
Lassen Sie mich noch auf einen speziellen Punkt näher eingehen: die Absicht zum Selbstmord. Sie tritt dann auf, wenn man alles sinnlos findet und ist, wie bei vielen Selbsttötungsabsichten immer auch ein Schrei nach Hilfe, ein Ruf nach Zuwendung.
Gerade hier ist es wichtig, mit dem Psychotherapeuten zusammen zu arbeiten. Mitunter ist es sogar notwenig, Depressive mit Selbstmordabsichten in geschlossene psychiatrische Abteilungen einzuweisen. Menschen müssen auch vor sich selbst geschützt werden.
Nun zu den medikamentösen Möglichkeiten zur Behandlung der Depression. Auch hier ist sich die Fachwelt uneinig. Generell sagt man, dass Medikamente in rund zwei Drittel den Leidensdruck mindern können. Sie können aber immer nur die Symptome lindern, nie beseitigen. Zumeist werden Antidepressiva verabreicht. Dabei muss man berücksichtigen, dass sie in der Regel erst nach zwei, drei Wochen stimmungsaufhellend wirken. Diese Zeit muss überbrückt werden, was eine wichtige Aufgabe des Psychotherapeuten ist.
Die Depressionsphase wird allerdings durch Verabreichung dieser Mittel nicht verkürzt. Außerdem können sie starke Nebenwirkungen haben. Bekannt sind zum Beispiel Zittern, Augenschäden, zu niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Heißhunger, Verwirrung, aber auch epileptische Anfälle. Besondere Probleme können im Zusammenhang mit dem Genuss von Alkohol auftreten.
An dieser Stelle und damit abschließend einige Bemerkungen zum Thema Alkohol / Sucht und Depression. Neuste Untersuchungen haben nachgewiesen, dass bei fast 20 Prozent der Suchtkranken eine depressive Erkrankung vorliegt. Es gibt also einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen hohen Alkoholgenuss und Depressionen. Einerseits wird der Alkohol als Problemlöser für depressive Probleme gesehen, andererseits ist er Ursache zumindest für depressive Verstimmungen. Es gibt also eine unmittelbare Wechselwirkung. Das gilt auch für die Behandlung. Eine reine Depressionsbehandlung würde bedeuten, dass das Alkoholproblem bestehen bleiben würde, eine Alkoholbehandlung allein würde die Depression nicht beseitigen. Das stellt große Anforderungen an den Psychotherapeuten, setzt aber auch beim Patienten die Bereitschaft zum Mitwirken voraus.
Wichtig ist dabei zunächst, gemeinsam eine Problemanalyse vorzunehmen, dann sollte ein System angenehmer, möglichst einfacher Aktivitäten aufgebaut werden. Schrittweise sind negative Gedanken zu verändern, soziale Kontakte trainiert werden. Und manchmal müssen auch Medikamente eingesetzt werden.
Am Ende steht der Wille des Patienten zur aktiven Lebenshaltung. Damit sich die Depression (und der Alkohol) nicht mehr wie ein Band ums Herz windet und der Mensch wieder ein Licht am Ende des Tunnels sieht.

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